Der Pate von Bombay by Vikram Chandra

Der Pate von Bombay by Vikram Chandra

Autor:Vikram Chandra
Die sprache: de
Format: mobi, epub
ISBN: 9783746624839
Herausgeber: L.
veröffentlicht: 2008-12-31T23:00:00+00:00


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Begegnung mit der Schönheit

Zoya Mirza war eine schwierige Frau. Es war schwierig, sie zu finden, schwierig, sie ans Telefon zu kriegen, schwierig, sie zu treffen. Sartaj versuchte das Anjali Mathur zu erklären, die offenbar glaubte, daß ein Polizei-Inspektor, der mit der erhabenen Autorität des Gesetzes und belastenden Fotos bewaffnet war, sich problemlos in das glamouröse, internationale Leben eines Filmstars einschalten und ein Verhör durchführen konnte. »Das ginge vielleicht«, sagte Sartaj, »wenn die Sache offiziell wäre. Ist sie das inzwischen?«

»Nein, ich kann meinem Chef noch nichts vorlegen«, sagte Anjali. »Nur die vage Vermutung, daß es eine Verbindung zwischen einem Gangster und einem Filmstar gibt. Also nichts Besonderes.«

Dem konnte Sartaj kaum etwas entgegenhalten. Daß die Filmi-Leute oft Verbindungen zu Bhais hatten, wußte jedes Kind, noch im abgelegensten Dorf. Sollte die Information durchsickern, würde sie Zoya Mirzas makelloses Image, ihren unschuldigen Sexappeal ankratzen und vielleicht auch zu einem Knick in ihrer steilen Karriere führen. Aber es war immer noch nicht klar, warum Ganesh Gaitonde nach Mumbai zurückgekommen war, es gab nicht den geringsten Anhaltspunkt dafür, warum er einen Betonkubus in Kailashpada gebaut hatte, warum er Jojo erschossen und sich dann selbst eine Kugel in den Kopf gejagt hatte. »Sie wollen, daß ich weiter verdeckt ermittle. Also kann ich meinen Chef nicht bitten, Zoya Mirza auf die Wache einzubestellen. Sie wollen, daß ich privat mit ihr rede, daß ich einfach zu ihr gehe und sie belästige. Diese Filmstars haben oft Verbindungen auf höchster Ebene«, sagte Sartaj. »Wenn sie irgendeinen Minister anruft und dafür sorgt, daß ich vom Dienst suspendiert werde, können Sie das Ihrem Chef auch nicht vorlegen.«

»Das wird sie nicht tun. Sie haben doch die Fotos.«

»Es ist trotzdem ein Risiko.«

»Aber ein kleines.«

Das Risiko ist immer noch größer als jeder Gewinn, den ich aus diesen Ermittlungen ziehen kann, hätte Sartaj gern gesagt. Er hatte Anjali Mathur unter der Nummer in Delhi angerufen, die sie ihm gegeben hatte, und sie hatte gleich nach dem ersten Klingeln abgenommen. Sie war am Telefon ziemlich knapp, hatte sich seinen Bericht angehört und dann ruhig vorgeschlagen, er solle sich mal mit Zoya Mirza unterhalten. Sehr unkompliziert, sehr effizient. Sartaj holte tief Luft, atmete wieder aus. »Von Delhi aus erscheint vielleicht alles klein, Miss Anjali. Und ich bin in der Tat ein kleiner Mann. Für mich ist selbst ein kleines Risiko ein großes.«

Sie blieb ruhig. Sie war überhaupt eine ruhige Frau, in ihrem Kleidungsstil und in ihrer ganzen Art sehr zurückhaltend. Doch jetzt spürte Sartaj, daß sie im Begriff war, eine Entscheidung zu treffen, und als sie ihm antwortete, lag Nachdruck in ihrer Stimme. »Das vestehe ich, aber es gibt da ein paar Hintergrundinformationen, die Sie kennen sollten.«

»Ich brauche sämtliche Hintergrundinformationen. Man hat mir bisher schlichtweg gar nichts gesagt.«

»Das tue ich ja jetzt. Hören Sie zu. Das Haus, in dem Sie Gaitonde gefunden haben, war ein Atombunker.«

»Ein was?«

»Ein Bunker zum Schutz vor einer Atombombe. Er wurde nach einem Grundriß gebaut, den man im Internet finden kann.«

»Warum hat Gaitonde denn so was gebraucht? Hier?«

»Genau das will ich herausfinden.«

Der Telefonhörer an Sartajs Ohr war warm.



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